Alles klar im Team? Über die Bedeutung unausgesprochener Erwartungen...

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Unseren Beratungsprojekten liegt häufig eine Konfliktsituation innerhalb des Teams zugrunde, die sich über Jahre aufgebaut hat. Wir als Mediatorinnen werden gerufen, wenn die Positionen sehr verhärtet sind und teilweise bereits Kündigungen im Raum stehen. Die Zusammenarbeit leidet massiv, weil sich Fronten aufgebaut und Grüppchen gebildet haben, die Kommunikation innerhalb des Teams gestört ist und Zwischenmenschliches im Vordergrund steht. Sich auf die Arbeit zu konzentrieren und gegenseitig zu unterstützen fällt dann besonders schwer. Das komplette System leidet, egal, ob sich die Konflikte durchs gesamte Team ziehen oder ob nur einzelne ein unausgesprochenes Problem miteinander haben.

 

 

Prozesse zur Konfliktbearbeitung benötigen Zeit und sind meist anstrengend für die Beteiligten. Denn was sich über Monate und Jahre aufgebaut hat, kann nur sehr selten in kurzer Zeit aufgelöst werden. Dennoch lohnt sich der Versuch, Konflikte mithilfe von außen zu lösen. Teams, die solch intensive Prozesse erfolgreich miteinander durchlaufen haben, sind stolz auf sich und arbeiten in der Folge umso besser zusammen. Elementarer Bestandteil einer solchen Konfliktbearbeitung ist der Austausch über individuelle Perspektiven und über Erwartungen untereinander. Das Team sorgt miteinander für Klarheit.

 

 

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was die Ursachen für Unmut, Missstimmung oder Konflikte sind? Zu einem Großteil sind es unausgesprochene Erwartungen und fehlende Bereitschaft oder Gabe, Situationen aus einer anderen Perspektive als der eigenen heraus zu betrachten.

 

Wir alle haben sie – unsere Erwartungen an andere. Unsere innere Haltung gibt uns vor, wie es zu laufen hat und für uns selbst scheint ja alles klar. Wir handeln intuitiv, vor allem, wenn wir im Arbeitsalltag in einer Routine stecken. Doch was, wenn die Intuition meiner Kollegin/ meines Kollegen eine andere ist? Was wenn sie/ er eine andere Sicht auf die Dinge hat und in einer bestimmten Situation anders reagiert als es für mich selbstverständlich ist? Erfülle ich mit meiner Reaktion und meinem Verhalten auch die Erwartung der anderen? Weiß ich überhaupt, was andere in einer bestimmten Situation von mir erwarten? Welche direkte Auswirkung hat mein Handeln auf die Arbeit meiner Kollegin? Welche Erwartungen hat der/ die Personalverantwortliche an die Mitarbeitenden? Welche Erwartungen haben die Kolleginnen/ Kollegen untereinander? Diese banal klingenden Fragen sind sehr bedeutende und grundsätzliche für eine gelingende Zusammenarbeit.

 

Wir empfehlen regelmäßige Teamveranstaltungen, in denen gemeinsam an solchen Fragen gearbeitet wird. Sie haben im Arbeitsalltag und in Ihren Teammeetings einfach nicht die Zeit, sich über die so genannten „weichen Faktoren“ Gedanken zu machen. Priorität haben zurecht Fachthemen, Prozessabläufe und aktuelle Fragestellungen. Die Erfahrung zeigt uns jedoch, dass diese Team-Themen genauso besprochen werden müssen, um möglichst reibungslos zusammenarbeiten zu können.

 

Auch bei Teamveranstaltungen, bei denen sich zu Beginn alle einig sind „Bei uns ist alles bestens.“, kommen Punkte zum Vorschein, die es Wert sind besprochen zu werden, weil sie auf lange Sicht möglicherweise eskalieren. Dies gilt für bestehende Teams, die schon lange zusammenarbeiten genauso wie für Teams, die sich gerade neu formieren oder jemanden neuen ins Team bekommen haben. Gerade neue Teammitglieder können die ungeschriebenen „Gesetze“ in einer Praxis nicht kennen. Sie schnell ins Boot zu holen, ist ein enormer Vorteil für alle. Je besser die Einführung der Mitarbeitenden ist und je transparenter ein Teammitglied die Regeln beziehungsweise Abläufe vermittelt bekommt, desto schneller wird er/ sie ankommen. Und das bestehende Team macht sich ganz nebenbei auch einmal wieder Gedanken über die Zusammenarbeit.

 

Die Schriftstellerin AnaÏs Nin sagte einmal:

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.“ Dieses Zitat verdeutlicht vielleicht am besten, warum es so wertvoll für die Zusammenarbeit ist, sich über Perspektiven und Erwartungen auszutauschen, bevor es zum Streit kommt.